Meine Biografie: „Jehovas Gefängnis“

Im Juli 2017 schrieb mich die Programmleiterin des riva Verlages an. Sie las die Geschichte über meinen Ausstieg, die ich einen Monat zuvor veröffentlicht hatte. Der Verlag bot mir an, meine Biografie in Form eines Buches zu veröffentlichen. „Ich und ein Buch?“, war mein erster Gedanke.

Tatsächlich wäre ich nicht auf die Idee gekommen ein Buch zu verfassen. Bis auf den Blog, schrieb ich zuletzt in der Schulzeit so viele Zeilen.

Nach der Anfrage des Verlages, nahm ich mir etwas Bedenkzeit. Ich hatte bereits einige Bücher von Aussteigern gelesen und ich fragte mich, ob es noch eines Buches bedarf, wenn doch das Angebot schon so exzellent war. Für kurze Zeit verwarf ich den Gedanken wieder, doch ich hatte das Gefühl, noch etwas erzählen zu können. Bei den Büchern von Aussteigern fiel mir auf, dass jeder von ihnen andere Hindernisse überwand, andere Werte vertrat und sich in den unterschiedlichsten Lebenssituationen befand. Durch diese Diversität erreicht man unterschiedliche Menschen. Man identifiziert sich mit der Person, wenn man sich im Buch wiederfindet. Die Geschichte eines Familienvaters, der sein Leben samt Familie um die Organisation der Zeugen Jehovas aufgebaut hat, seine Kinder darin groß zog und sich mit 30 Jahren sicher war, diesen Weg bis ans Lebensende und darüber hinaus zu gehen, wäre vielleicht für den einen oder anderen eine interessante Perspektive, dachte ich.
Außerdem kam mir der Gedanke, dass es vielleicht auch für meine Kinder interessant sein könnte, wenn sie später die Geschichte lesen, die ihnen dann vielleicht noch dunkel in Erinnerung sein wird. Sie werden nie wirklich nachvollziehen können, wie es ist, sein Leben in einem desktruktiven Kult zu verbringen, aber sie werden verstehen, warum wir ausgestiegen sind.

Was erwartet dich in meinem Buch?

In erster Linie handelt es sich bei meinem Buch um eine Biografie. Hin und wieder beziehe ich mich auf die Lehren der Zeugen Jehovas, sowie auf das System „Wachtturm“. Beispielsweise gehe ich auf die Generationslehre ein, auf die Geschichte der Organisation oder auch auf die Probleme mit Kindesmissbrauch, Bluttransfusionen und dem zerstörerischen Kontaktabbruch, den die Organisation programmatisch durchsetzt. Ich zeige besonders für Außenstehende auf, wie man ein Zeuge Jehovas wird, sowohl aus der Sicht eines Hineingeborenen aber auch aus der Perspektive eines Erwachsenen, der in die Organisation hineingezogen wird.

Ich erwähne sehr persönliche Details aus meinem Leben; aus der sehr naiven Sicht eines Kindes, wie ich durch die Trennung meiner Eltern in zwei Welten lebte und mich die Welt der Zeugen schließlich vereinnahmt hat. Von dem Kampf als Jugendlicher, der seine Neugier befriedigte und dadurch in Konflikt mit dem System und mit sich selbst kam. Von dem Wunsch nicht mehr weiterleben zu wollen, dem Ausbruch und der Rückkehr in das Gefängnis, dessen Wände ich mir bunt malte und als Schutz vor der bösen „Welt“ ansah. Ich schreibe über meine Zweifel und wie ich sie unterdrückte, um mein Weltbild zu erhalten. Als Familienvater und angehender Ältester berichte ich, wie sich meine Werte veränderten und ich somit allmählich auf Kollisionskurs mit der Organisation geriet, bis es letztendlich, nach einem inneren Kampf, keine andere Option mehr gab als die Reißleine zu ziehen und meine Familie da raus zu holen.

Ich habe den Versuch unternommen, die guten und schlechten Erlebnisse zu beschreiben und dabei ohne Wut oder Hass auf die Vergangenheit zu blicken oder mit der Organisation abzurechnen. Ich versuche die Dinge, die ich erlebt habe, reflektiert zu betrachten oder wie  Sebastian es treffend formulierte, ich unterzog mich einer Lebensinventur.

Inhaltsverzeichnis: Jehovas Gefägnis

Im Grunde kann jeder ehemalige Zeuge Jehovas seine Biografie verfassen und es wäre jedesmal ergreifend, was der Einzelne dabei erlebt hat. Es gibt so viele unterschiedliche Geschichten, die sich dennoch im Kern alle gleichen, denn das System hat versucht uns allen eine neue Identität aufzudrücken, die uns in unserem Verhalten und unserem Denken alle beeinflusst und gleich gemacht hat. Letztendlich hat aber jeder sein authentisches „Ich“ in sich getragen, dass irgendwann ausbrechen wollte, weil das Leben so kaum noch lebenswert war. Ich würde mich freuen, wenn du an meinem Ausbruch teilhaben möchtest, den ich in meinem Buch „Jehovas Gefängnis“ beschreibe und vielleicht kannst du dich damit ein klein wenig identifizieren.

Ich möchte mich an dieser Stelle auch bei Sebastian und Micha bedanken, die hier als Autoren oft ihre Texte veröffentlichen und die mir eine enorme Hilfe, sowohl bei der Recherche als auch bei der Reise in mein Innerstes waren.

Wenn du einen kleinen Vorgeschmack auf das Buch erhalten möchtest, kannst du dir nachfolgend eine Leseprobe herunterladen.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen und würde mich sehr über dein Feedback freuen. Zum Abschluss noch eine Rezension von Sebastian, die mich persönlich sehr berührt hat und das Buch meiner Meinung nach treffend zusammenfasst:

Das Leben eines Freundes zwischen zwei Pappdeckeln

„Das Leben eines Freundes zwischen zwei Pappdeckeln. Das Buch ist der Versuch ein Leben zu erklären oder verständlich zu machen. Wie erklärt man jemanden, dass man ein anderes Leben gelebt hat, da man in einem eigenen Kosmos existierte? Wie erklärt man Menschen, die die Zwänge nicht kennen, was diese unsichtbaren Ketten bedeuten, die einen zurückhalten? Mit welchen Worten kann man umschreiben wie weltfremd man war, obwohl man „relativ normal“ wirkte? Wie kann man seinen Kindern erklären, warum ihre Großeltern und Freunde sie plötzlich meiden? Wie geht man selbst damit um, von heute auf morgen fast alle Freunde zu verlieren?
Es ist sehr persönlich geschrieben und gibt darauf einen ehrlichen Blick – in die guten wie auch schlechten Lebenssituationen. Wer prüfen will, ob dass, was sich viele heutzutage so vermutlich gar nicht vorstellen können, wirklich stimmt, der kann es mit Hilfe der Quellenangaben im Anhang und wird erschrecken. Oliver bleibt bei den Fakten und übertreibt nicht. Hinter den Menschen die freundlich an der Tür klingeln, steht ein strenges Regelwerk, dessen hohen Preis die Mitglieder zahlen müssen. Ohne eine Möglichkeit, diese Organisation in Würde zu verlassen und gleichzeitig die sozialen Kontakte aufrecht zu erhalten, steht jeder mit dem Rücken zur Wand, da jeder Weg Schmerzen bedeutet. Entweder man begeht den sozialen Suizid oder man ist gezwungen der Führung der Zeugen zu folgen. Er hat den Weg nach vorn gewagt und lässt uns daran teilhaben.
Oliver gibt damit einen sehr tiefen Einblick in sein Leben und das seiner Familie und damit auch in ein destruktives Glaubenssystem. Dies aber ohne Wut oder Hass, es ist eine Lebensinventur und der Abschluss einer Lebensphase. Herzergreifend, menschlich und ehrlich – man kann nur hoffen, dass es viele Menschen lesen und die Last verstehen, die Aussteiger tragen.“ – Sebastian


Das Buch erhältst du in jeder Buchhandlung – offline wie online. Alternativ kannst du es bei Amazon bestellen oder direkt beim Verlag.

Reaktionen zu diesem Beitrag

  1. Sara-Maria Witschnig sagt:

    Hallo Oliver,
    Ich war selbst ein Opfer dieses Systems. Ich bin in der „Wahrheit“ aufgewachsen und bin mit meinem 18. Lebensjahr als ungetaufte Verkündigerin ausgestiegen. Wenn man in diesem System aufwächst wird man bei und nach einem Ausstieg wie ein getaufter Zeuge Jehovas behandelt. Man bekommt Hirtenbesuche, wird von den Eltern und den restlichen Freunden gemieden und später als Abtrünnig abgestempelt, da man die Wahrheit ja kannte und die Dämonen uns heimsuchten. Das einzige Vernünftige ist, weit von zu Hause wegzuziehen und irgendwo anders nochmal neu anzufangen. Das haben meine vier älteren Schwestern und ich gemacht. Der Preis, den wir jetzt bezahlen müssen ist hoch: ich habe keinen Kontakt zu meinen Geschwistern, und ich hatte über ein Jahrzehnt keinen Kontakt zu meinen Eltern. Ich kann froh sein, dass ich eine sehr starke Persönlichkeit besitze, ansonsten wär ich kläglich abgestürzt. Ich finde es eine gute Idee, dieses Trauma in einem Buch zu verarbeiten, was ja schon einige machten, denn ich bin mittlerweile 35 Jahre alt und gewisse Dinge rumoren noch immer in meinem Gehirn rum. Es hilft aber auch, zu sehen, dass es eigentlich fast allen Aussteigern gleich erging und wenn sehr viele Menschen sehr idente Geschichten erzählen MUSS es ja den Tatsachen entsprechen (obwohl die WTG und deren Anhänger uns noch immer als Lügner bezichtigen). Wichtig ist zu erkennen, dass man mit seinen seelischen Löchern und unmöglichen Ticks nicht alleine ist, denn so lässt sich leichter damit leben. Ich werde mir dieses Buch sicher kaufen, ich freue mich schon drauf es lesen zu dürfen 😀
    L. G. aus Österreich,
    Sara

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  2. Tom sagt:

    Hallo, was habe ich falsch gemacht ? Bin seit 10 Jahren bei den Zeugen Jehovas und bin noch nie so glücklich im Leben gewesen. Aber kann dich verstehen das du vllt keine Aufmerksamkeit bekommen hast und jetzt was nachholen willst.

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    1. Oliver Wolschke sagt:

      Hi Tom,

      du hast gar nichts falsch gemacht, genauso wenig wie ich.
      Was meinst du, wenn du sagst, du bist glücklich? Würdest du es mir erzählen, wenn du unglücklich bist?

      Herzliche Grüße
      Oli

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  3. LuRA sagt:

    Hallo Tom,
    wir fragen uns, wenn du so glücklich bist, warum bist du ungehorsam und beschäftigst dich mit Lesestoff von Abtrünnigen?

    Lieber Olli,
    wir haben das Buch gelesen und uns an vielen Stellen wiedergefunden. Es ist sehr gut geschrieben und auch die Quellenangaben sind sehr gut belegt. Dir und deiner Familie alles Gute auf eurem neuen Weg.
    Liebe Grüße LuRa

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  4. Tom sagt:

    Hallo
    Ich lese ihr Buch gerade jeden Tag im Kaffeehaus das Thema interessiert mich deshalb eine alte Dame besuchte mich immer wieder (ich bin Rollstuhlfahrer) wir diskutierten über die bibel nach einiger Zeit bin ich wirklich erschrocken,weil ich merkte die gute Frau kann nicht abstrahieren sondern kehrt immer mit stereotypen Formeln zu ihrer Sicht der Dinge zurück so als hätte sie Satzteile auswendig gelernt aber absolut nicht verstanden
    daher bin ich an ihrem Buch eben sehr interessiert
    Alles Gute und liebe Grüsse aus Wien

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    1. Oliver Wolschke sagt:

      Lieber Tom,

      herzlichen Dank für Ihr Feedback. Ich kann Ihre Erfahrung nur bestätigen. Ab einem gewissen Punkt, konnte ich auch nur noch das Gelernte abspulen. Ab diesem Punkt kam besonders das „Zeugen-Ich“ zum Vorschein. Ich konnte dann nicht mehr authentisch antworten, da dies zu innerlichen Konflikten geführt hätte. Diese Immunisierungsstrategie ist ein Schutz, sein Weltbild innerlich aber auch äußerlich zu wahren.
      Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Freude beim Lesen.

      Herzliche Grüße
      Oliver

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  5. Sylvana Lemke sagt:

    Hallo Oliver ,
    ich habe ja seid längerer Zeit auf das Buch gewartet ,da ich von meiner Cousine wusste ,das Du an diesem Buch schreibst.
    Endlich war es dann da und mein Mann (der sonst nie liest) und auch ich haben das Buch verschlungen
    Ich kann als Vielleser nur sagen > Es ist sehr informativ und es hat uns sehr berührt .
    Wir konnten es kaum aus den Händen legen und haben täglich über das Thema gesprochen
    Als entfernte Familienangehörige habe ich das eine oder andere schon erfahren und war auf das Buch sehr gespannt
    Es ist ein tolles Buch geworden und hat meine Erwartungen übertroffen .
    Ihr seid eine starke und tolle Familie 😘
    Lieben Gruß Sylvana u Michael

    Antworten
    1. Oliver Wolschke sagt:

      Liebe Sylvana,

      vielen Dank für dein Feedback. Ich freue mich wirklich sehr, dass es euch gefallen hat.

      Herzliche Grüße
      Oli

      Antworten
  6. Georgius sagt:

    Lieber Oliver,

    ich habe das Buch gerade angefangen zu lesen und schon stolpere ich über Aussagen, die ich nicht verstehe.
    Stimmt es, dass Zeugen Jehovas gegen Impfungen und Organtransplantationen sind? Oder sind dies nur private Ansichten der Führungsschicht? Ich habe davon noch nie gehört.

    Du schreibst: „Wenn ich meine Kinder nicht streng nach dem Glauben erzog, dann würden sie sich womöglich davon abwenden, und von mir würde man dann erwarten, dass ich den Kontakt zu ihnen abbrach“

    Wird tatsächlich der Kontakt der Kinder vom Vater, der ja ihr Erziehungsberechtigter und ihre Bezugsperson darstellt, gefordert?
    Wie sollte sowas in der Praxis aussehen, wenn man doch in einem Haus lebt und man eine Familie zusammen bildet?
    Soll der Vater die Kinder ignorieren und sie dadurch strafen? Das wäre eine Art psychische Gewalt von der ich mir nicht vorstellen kann, das eine Organisation sowas fordern könnte.

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    1. Oliver Wolschke sagt:

      Hi, steht denn dort tatsächlich, dass Zeugen Jehovas gegen Impfungen und Organtransplantionen *sind*? Ich nehme dort Bezug auf die Sprunghaftigkeit was die Behandlungen betrifft. Organtransplantionen galten genauso wie Impfungen in der Vergangenheit als Verfehlung. Was die Trennung von Familie betrifft, so handelt es sich um einen Blick in die Zukunft. Wenn die Kinder getauft und außer Haus sind sollte der Kontakt abgebrochen werden. Aber darauf nehme ich im Buch nochmal explizit Bezug. Die Quellen dazu sind dann jeweils markiert. In einem Video, dass in der Quelle genannt wird, empfiehlt der Vater der eigenen Tochter auszuziehen, da sie für ihre Geschwister kein guter Umgang ist. In einem der letzten Wachtturm-Artikel wird auch gezeigt, dass man den Kontakt zu den Enkelkindern meiden sollte, wenn die Tochter/Sohn ausgeschlossen ist. Ja, das ist psychische Gewalt, dass siehst du völlig richtig.

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  7. +Georg Krug sagt:

    Hallo Oliver!

    Auch mein Leben ist durch viele schlechte Erlebnisse in der Familie gegenzeichnet. Heute bin ich Frührentner und habe Depressionen und Angstzustände. Durch die jetzigen Medikamente habe ich die Krankheit so einiger massen im Griff. Fast mein ganzes Leben wurde ich nur von meinem Vater beschimpft, was ich getan oder gesagt habe. Ich bin lutherisch Evangelisch und wurde streng religiös erzogen. Heute kann nicht mehr in die Kirche oder an der Kirche vorbei laufen. Ich durfte keine lange Haare und auch keinen dreitage Bart tragen. Musste immer schön aussehen, durfte keinen Sport machen, nicht einmal in der Jugendmannschaft spielen. Auch mit meinem Schulkollegen nicht in die Disco gehen, erst mit 16. Eine Diskussion war mit meinen Vater nicht möglich. Wen er merkte, dass er nicht Recht hatte, wurde dieses abrupt abgebrochen und ich war immer der Böse. Musste jeden Sonntag und Feiertage in die Kirche. Ich habe nie gelernt, frei zu reden oder meine Meinung zu sagen. Musste immer ruhig und brav sein. Von meinen Mitschülern wurde ich immer gehänselt. Das interessierte meinen Vater nicht. Nach der Bundeswehr haben alle meinen Mitschüler geheiratet. Ich ging dann alleine in die Disco. Jedes mal wen ich nach Hause kam, wurde ich von meinem Vater beschimpft, weil ich nicht angerufen habe. Damals in den 80igern gab es noch keine Handys. Ich konnte nicht mehr fort gehen, die Angst beschimpft zu werden waren einfach zu groß. Ich war halt ein Einzelgänger. Er hatte mir mal gesagt, wen ich ein Mädchen finde, solle ich sie nach dem Gesangbuch fragen, wen sie katholisch ist, solle ich nicht mit ihr gehen. Nach dem Tot meines Vaters begann so langsam mich kennen zu lernen. Ich fragte mich, wer bin ich? aber ich fand keine Antwort, ich füllte mich immer als ein schlechter und böser Mensch, der es nicht anders verdient hatte. Mit der Zeit begann ich an der Kirche zu Zweifeln. Dies geschah, als ein neuer Pfarrer in unsere Gemeinde gekommen ist. Er hatte viele Neuerungen eingeführt mit dem nichts anfangen konnte. Im Jahre 2002 ging ich zum Islam und suchte hier einen Neuanfang im Glauben. Ein Jahr später habe ich geheiratet, 2007 kam meine Tochter zur Welt und 2010 kam da noch die Scheidung. Im selben Jahr verstarb meine Schwester und meine Mutter und ich ging auch wieder in die Kirche zurück. 2011 ging ich für ein Jahr zu einen Freund nach München. Dort ist dann auch meine Depression ausgebrochen. Danach ging ich wieder nach Hause zu meinem Bruder. Des Öfteren besuchte ich eine Psychiatriesche Einrichtung. Mir wurde eine Depression und Angststörungen festgestellt. Heute lebe ich Einigermaßen gut, muss Medikamente einnehmen, In der Kirche kann ich nicht mehr und mache auch einen großen Bogen um das Gebeute. Wen ich mal in München bin, gehe ich gerne in einer Katholischen Gottesdienst.

    Liebe Grüße Georg

    Antworten
  8. Alina sagt:

    Hallo Oliver,

    Ich bin seit 1 1/2 „ausgeschlossen“, oder wie ich es nenne, befreit!
    Ich habe dein Buch noch nicht gelesen, habe auch heute erst durch einen älteren Artikel der FR erfahren; dass du eins geschrieben hast. Dort habe ich auch gelesen, dass du JZ, die aussteigen wollen, hilfst. Mich interessiert das: WIE?
    Meine kleiner Schwester, die sich hat mit 11 Jahren taufen lassen ist nun 18. Sie hat micj vor einigen Monaten kontaktiert, hat mich noch am nächsten Tag besucht und mir eröffnet, dass sie aussteigen will und Angst davor hat. Ich habe ihr versichert, dass mein Mann und ich sie nicht fallen lassen. Sie darf bei uns im Haus wohnen und wir helfen ihr mit ihrer Ausbildung echt.pp.
    Sie fuhr nach Hause. Einen Tag später schrieb Sie, sie wolle es noch mal versuchen. Sie hat Angst vor dem Ausstieg. Was soll ich tun? Ich habe immer noch Kontakt zu ihr. Sie verletzt sich hin und wieder selbst und ich will nur helfen! Ich will sie da raus holen. Denn durch die Zeugen habe auch ich ein Jahr lang einen stationären Aufenthalt in der Psychiatrie gehabt. Im Endeffekt habe ich im Nachhinein, also jetzt, nach meiner Ausstieg erkannt, das nur der Ausstieg nötig war. Wie kann es sonst sein, dass alle Therapien und Medikamente nichts gebracht haben und ich nun genesen bin?
    Bitte Oliver. Ich will meine Schwester, die sich an mich gewannt hat, ohne dass ich sie kontaktiert habe vorher retten. Ich will ihr helfen. Was soll ich tun?
    LG

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    1. Oliver Wolschke sagt:

      Liebe Alina,

      zunächst einmal muss ich dir sagen, du hast alles richtig gemacht. Du zeigst ihr, dass du für sie da bist und sie sogar bei bei euch wohnen kann. Für mich wäre es interessant zu erfahren, was ihre Gründe sind, auszusteigen. Die Angst vor dem Ausstieg ist meist um ein vielfaches höher wenn jemand noch komplett indoktriniert ist und noch Zweifel bestehen, dass das, was die Zeugen Lehren richtig sein könnte. Das deine Schwester sich ritzt klingt überhaupt nicht gut. Vielleicht kannst du sie bitten, sich professionelle Hilfe zu suchen. Ggf. sogar jemanden, der auf Zeugen Jehovas spezialisiert ist. Dazu kannst du dich gerne an den Verein JW Opfer Hilfe e.V. wenden, die dir Adressen von Psychologen nennen können (http://jw.help/). Um herauszufinden, wie du und dein Mann ihr helfen können, könnte eventuell das Buch von Steven Hassan (Freiheit des Geistes) hilfreich sein. Dort findest du Tipps, wie man mit Verwandten am besten sprechen und umgehen kann, um sie dazu zu bewegen, sich von einer destruktiven Gruppe abzuwenden. Wichtig ist, sie nicht mit Gegenargumenten zu bombardieren, sondern mit Fragen sie soweit zu bringen, dass sie anfängt selbstständig zu denken und zu recherchieren (sokratische Methode). Sie sollte damit beginnen, sich außerhalb der Zeugen ein soziales Umfeld aufzubauen, damit sie durch den Ausstieg Menschen hat, die sie auffangen. Gebe ihr das Gefühl nichts überstürzen müssen. Sie muss nicht von heute auf morgen raus. Sie kann sich die Zeit nehmen, die sie benötigt, um eine solide Basis aufzubauen, bevor sie diesen schweren Schritt wagt.
      Wenn du magst, kannst du mich auch gerne per Email kontaktieren. Die Adresse findest du im Impressum dieser Seite.

      Herzliche Grüße
      Oli

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