607 v. u. Z. – Das Fundament der Zeugen Jehovas hinterfragt

© Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania

Das Jahr 607 v. u. Z. spielt eine Schlüsselrolle in der Lehre der Zeugen Jehovas. Anhand dieses Datums errechnen sie den Zeitpunkt für den Beginn der „letzten Tage“ – Oktober 1914.

Im Jahr 607 v. u. Z. soll laut der Wachtturm-Gesellschaft die Zerstörung Jerusalems stattgefunden haben. Im Jahr 537 v. u. Z. – also 70 Jahre später – sollen die Juden, aus der Gefangenschaft in Babylon, zurück nach Jerusalem gekehrt sein. Die historischen Aufzeichnungen belegen allerdings eindeutig, dass Jerusalem im Jahr 587 v. Chr. zerstört wurde – 20 Jahre später. Die WTG macht daraus auch keinen Hehl. Im Wachtturm vom 1.11.2011 hieß es:

Gegenwärtig sind Historiker allgemein der Ansicht, Jerusalem sei 587 v. u. Z. zerstört worden.
Wann wurde Jerusalem in alter Zeit zerstört?

Das Jahr 607 v. u. Z. ist in der Lehre der Zeugen Jehovas eine Konstante. Sobald sich die WTG von dieser Jahreszahl lösen würde, müsste sie ebenfalls das Jahr 1914 aufgeben. Was dies bedeuten würde, zeige ich zum Ende des Artikels. Zunächst möchte ich darlegen, wie haltlos die Argumente der WTG sind, wenn es darum geht, das Jahr 607 v. u. Z. zu verteidigen.

70 Jahre im Exil

Im bereits zitierten Wachtturm wird eine 70-jährige Gefangenschaft der Juden erwähnt. Der Bibeltext aus Jeremia 29,10 wird hierfür seitens der WTG als Beweis herangezogen:

Denn dies ist, was Jehova gesagt hat: „In Übereinstimmung mit der Erfüllung von siebzig Jahren in Babylon werde ich euch meine Aufmerksamkeit zuwenden, und ich will euch gegenüber mein gutes Wort bestätigen, indem ich euch an diesen Ort zurückbringe“.
Jeremia 29,10, (NWÜ)

In der Bibel der Zeugen Jehovas ist von „siebzig Jahren in Babylon“ die Rede. Andere Übersetzungen geben an dieser Stelle „siebzig Jahre für Babel“ (Elberfelder Bibel) wieder. Jeremia hätte nach dieser Formulierung keine Gefangenschaft in Babylon „vorhergesagt“ sondern eine Regentschaft der Babylonier (über die Israeliten) von siebzig Jahren.

Im masoretischen Text, eine hebräische Überlieferung des Tanach, wird die Schriftstelle wie folgt wiedergegeben:

כִּֽי־כֹה אָמַר יְהוָה כִּי לְפִי מְלֹאת לְבָבֶל שִׁבְעִים שָׁנָה שִׁבְעִים שָׁנָה אֶפְקֹד אֶתְכֶם וַהֲקִמֹתִי עֲלֵיכֶם אֶת־דְּבָרִיהַטֹּוב לְהָשִׁיב אֶתְכֶם אֶל־הַמָּקֹום הַזֶּֽה׃
Jeremia 29:10

בָבֶל steht hier für Babylon. מְלֹא bedeutet so viel wie „vollendet sind“ oder „erfüllt sind“. Frei übersetzt heißt es in diesem Text:

Denn so spricht der Herr: Wenn siebzig Jahre an Babel vollendet sind, werde ich dich ernennen, und ich werde auf dich die guten Worte legen, um dich an den Ort zurückzubringen.

Die siebzig Jahre beziehen sich, gemäß der Überlieferungen, auf Babylon, nicht auf Gottes Volk. Die hebräische Präposition ל (le) vor Babylon (לְבָבֶל) bezieht sich auf „zu“ oder „nach“. Für Antworten auf die Frage „Wo?“, wird die vorangestellte Präposition ב (be) = „in“ (räumlich) verwendet. Hätte sich der Schreiber also auf 70 Jahre „in“ Babylon bezogen, hätte dies im Text mit einer anderen Präposition ausgezeichnet werden müssen (Quelle: Sprachbeschreibung Hebräisch, S. 10). Auch die sprachliche Struktur des Satzes lässt nur diese Übersetzungsvariante zu.

Gemäß der WTG sowie der „weltlichen“ Chronologie, ist das Weltreich Babylon im Jahr 539 v. u. Z. gefallen. In der Nacht als persische Truppen den Euphrat trocken legten und in die Hauptstadt eindrangen.

Die Eroberung Babylons durch Cyrus II. wird auf das Jahr 539 v. u. Z. datiert. Dafür gibt es verschiedene Belege.
Wann wurde Jerusalem in alter Zeit zerstört?

Im Jahr 609 v. u. Z. endete nach heutigem Kenntnisstand die Herrschaft der Assyrer. In den Jahren zuvor haben die Babylonier mehrere Städte der Assyrer eingenommen. 609 v. u. Z. starb der letzte König Aššur-uballiṭ II., was das Ende der Großmacht symbolisierte.

Wenn im Jahr 609 v. u. Z. Babylon an die Macht kam und 539 v. u. Z. gefallen ist, dann kommt man auf 70 Jahre „für Babylon“. Dies passt mit allen modernen Bibelübersetzungen, ausgenommen der Neuen Welt Übersetzung, überein, dass „wenn siebzig Jahre für Babel voll sind“ die Juden aus der Gefangenschaft befreit werden.

Die WTG schreibt dazu:

Nach weltlicher Chronologie beherrschten die Babylonier seinerzeit Juda und Jerusalem ungefähr 70 Jahre: von etwa 609 bis 539 v. u. Z., dem Jahr der Eroberung der Hauptstadt Babylon.
Wann wurde Jerusalem in alter Zeit zerstört?

Doch heißt es im Wachtturm weiter:

Laut weltlicher und biblischer Chronologie endete dieses Exil, als Cyrus (Kyrus) die Juden nach der Eroberung Babylons freiließ; sie kehrten 537 v. u. Z. nach Jerusalem zurück. Da die Bibel bei dem Exil ausdrücklich von 70 Jahren spricht, muss es 607 v. u. Z. begonnen haben.
Wann wurde Jerusalem in alter Zeit zerstört?

Es kann also nicht sein, was nicht sein darf. Die WTG unterscheidet im zugrunde liegenden Artikel oft zwischen „weltlicher“ und „biblischer“ Chronologie. Sie trennt diese immer dann voneinander, wenn die „weltliche“, die „biblische“ Argumentation nicht stützt. An dieser Stelle findet die WTG allerdings einen gemeinsamen Nenner zwischen „weltlicher“ und „biblischer“ Chronologie. Was den Fall Babylons betrifft (539 v. u. Z.), bestätigen sie die Arbeit von Historikern, da dies mit ihren Ansichten übereinstimmt.

Doch darauf aufbauend folgt eine Berechnung, die meiner Ansicht nach, einer bewusst falschen Übersetzung geschuldet ist. Das Wort „in“ statt „für“ ändert den gesamten Sinn der Aussage. Gemäß der Elberfelderbibel und anderen Übersetzungen stimmt hingegen die „biblische“ Chronologie mit der „weltlichen“ überein. Man kann hier also höchstens von einer „Zeugen-Jehovas-Chronologie“ sprechen.

Zudem lässt ein Blick in die Bibel, die 70 Jahre „in“ Babylon, fraglich erscheinen. In Jeremia 52 ab Vers 27 heißt es:

[…] So ging Juda von seinem Boden hinweg ins Exil. 28 Dies ist das Volk, das Nebukadrẹzar ins Exil führte: im siebten Jahr dreitausenddreiundzwanzig Juden.
Jeremia 52,27-28

Die Gefangenschaft begann also bereits im 7. Jahr des Nebukadnezars und nicht erst im 18 Regierungsjahr. Weiter heißt es:

29 Im achtzehnten Jahr Nebukadrẹzars waren es aus Jerusalem achthundertzweiunddreißig Seelen30 Im dreiundzwanzigsten Jahr Nebukadrẹzars führte Nebusạradan, der Oberste der Leibwache, Juden ins Exil, siebenhundertfünfundvierzig Seelen.
Jeremia 52,29-30

Es gab also drei Wegführungen. Die Mehrheit der Juden befand sich demnach – wenn wir von dem Jahr 607 v. u. Z. ausgehen – für 81 Jahre in babylonischer Gefangenschaft. Nämlich ab dem 7. Regierungsjahr Nebukadnezars. Die WTG setzt den Beginn des Exils auf das 18. Jahr. Wenn gemäß Jeremia 29,10 Jehova den Juden eine Gefangenschaft von 70 Jahren vorhergesagt haben soll, für welche Gruppe galt dies dann?

Die WTG greift diese Frage ebenfalls auf und beantwortet sie wie folgt:

Wann begannen also die 70 Jahre zu zählen? Sicher nicht nach der ersten Belagerung Jerusalems. Zwar führte Nebukadnezar damals viele Juden gefangen nach Babylon, andere wurden jedoch zurückgelassen.
Wann wurde Jerusalem in alter Zeit zerstört?

Es lebten also noch Menschen in Jerusalem. Weiter heißt es:

Wegen eines jüdischen Aufstands zogen die Babylonier erneut gegen Jerusalem […] Sie zerstörten die Stadt samt dem heiligen Tempel und führten viele Einwohner gefangen nach Babylon. […] Erst in jenem Jahr, als das Land verlassen und unbearbeitet dalag, begann die erwähnte Sabbatruhe.
Wann wurde Jerusalem in alter Zeit zerstört?

Hier wird die zweite Deportierung erwähnt (18. Regierungsjahr). Ab diesem Zeitpunkt sollen die 70 Jahre angefangen haben zu zählen, da „das Land verlassen und unbearbeitet dalag“. Doch die Bibel erwähnt noch eine dritte Wegführung im 23. Regierungsjahr (Jeremia 52,30). Wie kann das Land verlassen gewesen sein? Wie kann überhaupt eine völlige Zerstörung stattgefunden haben, wenn Jerusalem noch bevölkert war und die Babylonier erneut Juden ins Exil führten?

VAT 4956

VAT 4956

Bei VAT 4956 handelt es sich um ein astronomisches Tagebuch aus dem 37. Regierungsjahr des Königs von Babylon – Nebukadnezar II. Die Babylonier beobachteten peinlich genau die Stellungen der Sterne sowie Planeten und konnten anhand dessen die Umlaufzeiten innerhalb unseres Sonnensystems berechnen. Die Keilschrift enthält dreißig astronomische Beobachtungen. Astronomen können heute genau bestimmen, wann die beschriebenen Konstellationen stattfanden.

Die WTG schreibt hierzu:

Gelehrte sind der Meinung, alle diese Positionen träfen auf 568/567 v. u. Z. zu. Demnach müsse das 18. Jahr Nebukadnezars II. — das Jahr, in dem er Jerusalem zerstörte — 587 v. u. Z. gewesen sein.
Wann wurde Jerusalem in alter Zeit zerstört?

Ganz genau! Die Beobachtungen auf der Keilschrift beziehen sich gemäß Experten auf das Jahr 568/567 v. u. Z. (37. Regierungsjahr). Im 18. Jahr hat gemäß dem Bibelbericht, Nebukadnezar Jerusalem zerstört (Jeremia 32,1). Nehmen wir also das 37. Jahr abzüglich der 18 Jahre und wir haben die Anzahl Jahre, die man von 568 v. u. Z. zurückrechnen muss: 19 Jahre. Wenn wir diese auf das Jahr 568 v. u. Z. hinzuaddieren, kommt man auf das Jahr 587 v. u. Z (18. Regierungsjahr). Das Jahr in dem die Zerstörung Jerusalems stattfand (Siehe nachfolgende Grafik).

Zum Vergrößern der Ansicht, bitte auf das Bild klicken.

Theoretisch müsste die WTG aufgrund der überzeugenden Beweise einen Berechnungsfehler einräumen. Doch sie flüchtet sich in eine weitere widerlegbare Argumentation:

Weisen diese astronomischen Aufzeichnungen jedoch unwiderlegbar nur auf 568/567 v. u. Z. hin? […] Während sich für das Jahr 568/567 v. u. Z. nicht alle Mondpositionen nachweisen ließen, passten alle 13 Positionen auf das Jahr 588/587 v. u. Z. — also 20 Jahre früher.
Wann wurde Jerusalem in alter Zeit zerstört?

Das ist sehr clever geschrieben. Ich nehme an, ein Zeuge Jehovas wird sich damit nicht weiter beschäftigen und die „Beweise“ hinnehmen. Im Grunde ist alles was sie hier geschrieben haben korrekt. Doch es wird ein falsches Bild vermittelt. „Nicht alle“ bedeutet EINE. „passten alle“ bedeutet, dass nur zwei Positionen exakt waren. Wir kommen gleich noch einmal darauf zurück.

Es werden 13 Positionen des Mondes aufgegriffen, die in VAT 4956 festgehalten wurden. Es wird behauptet, dass die Positionen eher für das Jahr 588 v. u. Z. sprechen, also 20 Jahre zuvor. Somit würde das Jahr 607 v. u. Z. als Zeitpunkt für die Zerstörung Jerusalems wieder in Frage kommen.

Gehen wir etwas tiefer in die Materie. Inwieweit passen laut der WTG die 13 Mondpositionen besser auf das Jahr 588 v. u. Z.?

Eine der Mondbeobachtungen, die auf 588 v. u. Z. noch besser passen als auf 568 v. u. Z., ist in Zeile 3 der hier abgebildeten Tafel zu finden.
Wann wurde Jerusalem in alter Zeit zerstört?

Während im Absatz zuvor noch die Rede von 13 Positionen war, wird hier nur EINE Mondbeobachtung vom 9. Nisannu näher erwähnt.

Was die Positionen betrifft so schreibt die WTG:

Da Mondpositionen zuverlässigere Aussagen zulassen, haben sich Forscher eingehend mit den 13 Mondpositionen auf VAT 4956 befasst.

Die Positionen des Mondes können für den fraglichen Zeitraum exakt nachvollzogen werden. Daraus ergibt sich folgende Gegenüberstellung, wie genau die Mondposition mit der in der Keilschrift angegebenen Position übereinstimmt:

Wie die WTG richtigerweise herausstellt, passt EINE Positionsangabe des Mondes eher auf das Jahr 588 v. u. Z. Allerdings passen neun Positionsangaben ausgezeichnet mit dem Jahr 568 v. u. Z. überein.

In der folgenden Zusammenfassung wird dies noch mehr deutlich:

Es ist nicht verwunderlich, dass Astronomen die Konstellationen in der Keilschrift ganz eindeutig dem Jahr 568/567 v. u. Z. zuordnen.

Interessant ist die Fußnote im Wachtturm-Artikel in Bezug auf die astronomischen Beobachtungen:

VAT 4956 weist eher auf das Jahr 607 v. u. Z. hin
Fußnote

Das ist schlichtweg eine Falschaussage. Selbst die von der WTG angeführten Beweise deuten ganz klar auf das Jahr 587 v. u. Z. hin. Folgende Aussage versteckt die WTG ebenfalls hinter einer Fußnote, während sie in ihrem Artikel Experten zitiert:

Anmerkung: Keiner der hier zitierten Wissenschaftler ist der Ansicht, dass Jerusalem 607 v. u. Z. zerstört wurde.
Fußnote

Doch bei genauerer Betrachtung der WTG-Publikationen stellt man fest, dass sie ebenfalls mit ihren Berechnungen auf das Jahr 587 v. u. Z. kommen.

Die Wachtturm-Gesellschaft bestätigt 587 v. u. Z.

Sebastian hat sich die Mühe gemacht mit Hilfe der Publikationen der WTG die Königsfolge vom Fall Babylons an zurückzurechnen um das Jahr X (das 18. bzw. 19 Regierungsjahr Nebukadnezar) zu ermitteln. Das besondere an dieser Berechnung ist, dass die Quellen hierfür jedem Zeugen Jehovas zugänglich sind. Es wurde bewusst auf Publikationen verzichtet, die vor dem Jahr 1970 liegen, da diese nicht mehr in der Watchtower-Library enthalten sind. Als Basis wurden zwei bekannte, und von der WTG akzeptierte, Datierungen genutzt: Der Fall Babylons im Jahr 539 v. u. Z. sowie die Zerstörung Jerusalems im 19. Regierungsjahr Nebukadnezars.

Darauf aufbauend wurden mit Hilfe der Einsichten-Bücher (IT) und dem Babylon-Buch die Könige samt ihrer Regierungszeiten ermittelt. Vereinfacht betrachtet ergeben die Nachforschungen folgenden Zeitstrahl:

Selbst die „biblische“ Chronologie weist auf eine Zerstörung Jerusalems im Jahr 587 v. u. Z. hin.

Ewil-Merodach

Ewil-Merodach, der nur zwei Jahre über Babylon herrschte, folgte in der Königslinie auf Nebukadnezer II. Aus der Chronologie geht hervor, dass er von 563 – 561 v. u. Z. an der Macht gewesen sein muss. Doch die WTG legt den Beginn seiner Herrschaft auf das Jahr 581 v. u. Z. Ein Unterschied von 18 Jahren.

Eine Übereinstimmung mit der „weltlichen“ Chronologie und der WTG gibt es bei König Nabonid. Dieser hat laut Einsichten-Buch (herausgegeben von Zeugen Jehovas) von 556 – 539 v. u. Z. geherrscht. Zwischen Ewil-Merodach (Amel-Marduk) und Nabonid lagen gemäß der WTG zwei Könige: Neriglissar und Labaschi-Marduk. Der eine war 9 Monate an der Macht, der andere 4 Jahre.

Zwischen Amel-Marduk und Nabonid lagen 5 Jahre. Wenn Nabonid 556 v. u. Z. an die Macht kam, wie kann Amel-Marduk 583 v. u. Z. seine Macht an Neriglissar abgegeben haben?

Dadurch kommen wir auf 5 Jahre. Rechnet man von 556 v. u. Z. zurück, landet man im Jahr 561 v. u. Z: Das Ende der Herrschaft von Ewil-Merodach. Die WTG schreibt, dass er nur zwei Jahre an der Macht war. Wie kommen sie dann auf das Jahr 581 v. u. Z. als den Beginn seiner Herrschaft? Es fehlen 18 Jahre.

Ein Dogma wird aufrechterhalten

Die WTG kritisiert die großen Kirchen dafür, dass sie an Traditionen und Dogmen festhalten. Doch das Jahr 607 v. u. Z. ist ebenfalls zu einem Dogma verkommen: eine Lehre mit dem Anspruch auf absolute Gültigkeit.

Buchtipp: Die Zeiten der Nationen näher betrachtet von Carl O. Jonsson. Amazon

Die WTG kann sich von dem Jahr 607 v. u. Z. nicht lösen. Denn darauf baut alles auf, was sie als Religionsgemeinschaft ausmacht. Das Jahr 607 v. u. Z. bildet das Fundament für die Berechnung des Jahres 1914. Das Jahr 1914 wiederum bildet die Grundlage für die Legitimierung des treuen und verständigen Sklaven, welcher von Jesus im Jahr 1919 angeblich berufen wurde. Im Jahr 1914 soll die Inthronisierung von Jesus im Himmel stattgefunden haben und damit einhergehend wurde der Beginn der „letzten Tage“ eingeläutet, die nach „kurzer“ Dauer in Harmagedon münden würden. Auch die „Generationslehre“ ist abhängig vom Jahr 1914. Es verwundert daher nicht, dass diese immer wieder revidiert wurde und wir mittlerweile bei einer „überlappenden Generation“ angekommen sind. Denn das Jahr 1914 baut auf einer Berechnung auf, die unter der vorliegenden Beweislast völlig in sich zusammenbricht.

Auf dieser Grundlage haben Menschen ihr Leben gelassen, verzichteten auf eine Bluttransfusion, haben Verfolgung und Gefängnisstrafen auf sich genommen. Kindern wird Weihnachten, Geburtstage und andere Feste verwehrt. Familien brechen durch das Kontaktverbot auseinander. Man entscheidet sich gegen höhere Bildung und viele Anhänger widmen ihr ganzes Leben einer Organisation, dessen Fundament auf eine Zahl aufbaut, die nicht einmal von der Bibel selbst gestützt wird.

Reaktionen zu diesem Beitrag

  1. Lea sagt:

    Hallo 🙂
    Ich bin Ihnen für Ihren Artikel sehr dankbar denn ich habe ein großes Problem mit einem Freund von mir der wieder zu den ZJ zurück will. Er ist der festen Überzeugung dass die NWÜ die beste Bibelübersetzung ist und wie sie in ihrem Artikel oben geschrieben haben dass die ZJ einen Fehler gemacht haben, glaubt er nicht. Können Sie mir einen Tipp geben wie ich ihm das Näher bringen kann? 🙂

    Antworten
    1. Oliver Wolschke sagt:

      Hi Lea,

      ich kann die Situation die du beschreibst gut nachvollziehen. Ich befand mich mal in einer ähnlichen und wollte wieder zurück, was ich damals auch tat. Ich kann mir vorstellen, dass es für deinen Freund eine schwierige Situation ist. Er wird seine Freunde und Familie vermissen und unterschwellig wird bei ihm der Gedanke aufkommen, dass Harmagedon (der Eingriff Gottes) bald kommt. Das Gute ist, dass er momentan noch bereit sein könnte, seinen Glauben zu hinterfragen. Sobald er tatsächlich zurück ist, wird er sich mit kritischen Inhalten vermutlich nicht mehr beschäftigen. Wichtig ist, dass man nicht mit Druck reagiert oder eine Diskussion mit ihm führt, in der er in den Verteidigungsmodus kehrt.

      Man kann sehr behutsam Fragen stellen. Beispielsweise wie er zu den Untersuchungen der Royal Commission bzgl. Kindesmissbrauch steht. Oder wie er dazu steht, dass die Organisation mehrfach Harmagedon vorhergesagt hat. Im besten Fall fängt er selbst an zu recherchieren. Du könntest ihm Webseiten empfehlen wie z.B. http://www.bruderinfo-aktuell.de.

      Schau dir einmal diesen Artikel an: http://www.barbara-kohout.com/zeuge-jehovas-werden.html
      Er richtet sich in erster Linie an Personen, die dabei sind, einen Verwandten an die Zeugen Jehovas zu verlieren. Dort findest du noch weitere wichtige Hinweise, was in den Menschen vorgeht und wie man darauf reagieren kann.

      Wenn dein Freund der englischen Sprache mächtig ist, dann würde ihm noch den Youtube-Channel von Lloyd Evans empfehlen: https://www.youtube.com/user/johncedars1929/videos

      Ich hoffe, dass du ihn zum Nachdenken bringen kannst. Wenn du noch Fragen hast, dann kannst du dich gerne hier melden.

      Antworten
  2. Adolph Ernst sagt:

    Interessant ist auch zu beachten, das in der schwedischen Neuen-Welt-Übersetzung in Jeremia 29:10 >>IN Babylon<>FÜR Babylon<>Ty detta är vad Jehova har sagt: ’När sjuttio år har gått för* Babylon<< (Zitat Ende).
    Somit waren die Worte aus Jeremia 29,10 keine prophetischen Worte, die sich an Israel erfüllen sollten, sondern eine Prophezeiung die an das babylonische Reich gerichtet war.

    Antworten
    1. Oliver Wolschke sagt:

      Danke dir für den Hinweis mit der schwedischen Übersetzung. Ich hatte das auch im Sinn, wusste nur nicht mehr in welcher Sprache die WTG „für“ schreibt.

      Antworten
  3. Adolph Ernst sagt:

    Jetzt möchte ich auf Jeremia 25:11 eingehen, das die Wachtturm – Gesellschaft als weiteren Beweis anführen möchten, das Jerusalem 70 Jahre >>IN BABYLONischer< < Gefangenschaft gewesen sein soll.Wie bereits erklärt anhand verschiedener Quellen erklärt, herrschte das Neubabylonische Reich 70 Jahre, also von 609 bis 539 vor Christus. Wie ich in jw.org unter der Suchfunktion entnehmen konnte, schreibt sogar die Glaubensgemeinschaft dass das Babylonische Reich im Jahre 539 vor Christus sein Ende fand.Nun möchte ich aber wieder auf Jeremia 29:11 zurück kommen.Aus Jeremia 25:11 im Kontext erfahren wir, dass dieser Vers sich nicht allein auf die Eroberung Jerusalems durch die Babylonier bezieht, sondern auf mehrere Völker, die Babylon durch seine Eroberungszüge eingenommen und Unterworfen hat (siehe Jeremia 11:18 bis 26), wie es im Vers 12 prophetisch vorhergesagt worden ist.Ich zitiere hierzu einmal Jeremia 25:11 aus ihrer Bibelübersetzung, und hebe, den Satz, der für mich hier wichtig ist, einmal hervor: "Und dieses ganze Land soll ein verwüsteter Ort werden, ein Gegenstand des Entsetzens, und >>diese Nationen werden dem König von Babylon siebzig Jahre dienen müssen< <.“ (Zitat Ende)Hier wird also gesagt, das diese Nationen dem König von Babylon siebzig Jahre dienen müssten, also diese >>Nationen< < (Mehrzahl), und nicht, diese >>Nation< < (Einzahl), wenn sich das nur auf Jerusalem beziehen würde. Der Vers sagt also aus, das mehrere Nationen, in den 70 Jahren in denen Babylon herrscht, dienen müssten. Was aber auch nicht Aussagt, das eine Nation jemals an einem Stück in Babylon gedient hat, sondern es beschreibt nur, das Babylon 70 Jahre herrschen wird, wie ich bereits erklärt hatte, das die 70 Jahre aus Jeremia 29:10 >>FÜR Babylon< < steht, und nicht für 70 Jahre, einer Nation >>IN Babylon< <, wo dieser Vers in ihrer eigenen Bibelübersetzung in Schwedisch und Dänisch auch >>for Babylon< <, also nicht so, wie in ihrer deutschen Bibelausgabe, die diesen Vers mit >>In Babylon<< wiedergibt.

    Antworten
  4. Marcel sagt:

    Hi Oli,
    Ich wollte mich einfach mal bei dir bedanken, dass du dir so viel Mühe machst solche Artikel zu erstellen. Deine Argumentation hilft mir sehr weiter, weil vieles ja im englischen erklärt wird und ich dem nicht immer bis ins kleinste Detail folgen kann. Dennoch war das Thema schon vollkommen klar, aber du hast es sehr schön und nachvollziehbar zusammengefasst. Generell kann ich mich sehr gut in dich hineinversetzen, da ich mit meinem besten Kumpel den ähnlichen Weg gegangen bin. Ich freue mich mehr von dir zu lesen und wünsche dir weiterhin viel Kraft

    Antworten
    1. Oliver Wolschke sagt:

      Hi Marcel,

      vielen Dank für dein Feedback. Die Ausarbeitung dieser Artikel ist auch für mich persönlich eine große Hilfe, da ich mich sehr intensiv mit der Materie auseinandersetzen muss.
      Super, dass du beim Ausstieg nicht alleine warst. Das zusammen durchzustehen ist sicher eine große Hilfe. Ich denke eure Freundschaft ist dadurch noch enger geworden. Grüß deinen Kumpel von mir. Und euch weiterhin alles Gute!

      Antworten
  5. Jonas sagt:

    Hallo Oliver,

    ich möchte mich allgemein für Deine informativen Seiten bedanken. Danke für die (sehr persönlichen) Einblicke in die ‚Zeugen‘-Welt. Ich wünsche Dir und Deiner Frau viel Kraft!

    Antworten
    1. Oliver Wolschke sagt:

      Hey Jonas,

      sehr nett von dir. Vielen Dank 🙂

      LG Oli

      Antworten
  6. Noch Anonym sagt:

    Super Artikel! Kurz und Büdig! Für alle Wissbegierigen unter euch kann ich nur das Buch „Die Zeiten der Nationen genauer betrachtet“ empfehlen.
    Und noch zu VAT 4956 kann ich sagen, dass da noch Planetenpositionen erwähnt sind. Das macht dann die 20-Jahr verschiebung komplett unmöglich… Liebe Grüsse

    Antworten
    1. Oliver Wolschke sagt:

      Hi,

      danke für deinen Kommentar. Das Buch ist mir bekannt, habe es aber selbst noch nicht gelesen – steht auf meiner Liste 🙂
      Zu den Planetenkonstellationen gibt es einen wunderbaren Artikel auf xjwfriends.com (https://xjwfriends.com/2018/02/18/astronomical-diary-vat-4956/). Ich habe vor, diesen ins deutsche zu übersetzen. Aber für alle, die der englischen Sprache mächtig sind, es lohnt sich.

      Antworten
  7. Anonymer Zeuge sagt:

    Hallo Olli,

    dies ist mein allererster Kommentar auf „so einer“ Seite und noch vor ein paar Jahren hätte ich geglaubt der Blitz trifft mich direkt aus dem Himmel beim nur aufrufen solcher Seiten.

    Ich habe den Absprung aufgrund meiner Familie leider noch nicht geschafft und bin nur körperlich noch anwesend. Für meine Eltern wäre mein Verlassen eine absolute Katastrophe und ich weiß noch ehrlich gesagt nicht wie ich das alles unter einen Hut kriegen soll.

    Fakt ist, es ist mein Leben und ich habe nur dies eine. Außerdem fühle ich mich wie viele andere wohl auch um einige Jahre betrogen. Zum Glück habe ich bis auf zwei mal Hippi immer nur das Nötigste gegeben…

    Auf jeden Fall wollte ich für all diese Informationen danke sagen. Zu oft hab ich noch Zweifel ala „Was ist wenn es stimmt“, aber diese und ähnliche Infos zeigen mir das ich auf dem richtigen Weg bin.

    Mach ruhig weiter so!

    Antworten
  8. Manfred sagt:

    Hallo Oliver,
    ich bin wieder einmal aus dem aktuellen Anlass mit der Datenschutzgeschichte ins surfen über JZ gekommen und auch auf deine Seite gestoßen. Meine Schwiegermutter soll das Formular unterschreiben und hat es mir gezeigt. Ich selbst war einige Jahre Ältester und habe mich mit meiner Frau vor ca. 15 Jahren distanziert. Wenn ich deine Seite lese, dann sind in dir und deiner Frau ähnlich Gedanken im Sinn wie es damals bei mir und meiner Frau war. Wir waren nur nicht so konsequent wie ihr und haben uns „nur zurückgezogen“. Ich war damals im Informationsdiesnt und war auch bei Kongressen in der Presseabteilung. Es war bei einer Schulung für Älteste in Reutlingen, da hatte ich ein Schlüsselerlebnis. Bei einer Demonstration bei dem eine Szene im Krankenhaus mit Vater, Ärzten und Krankenhausverbindungskomitee argestellt wurde, ging etwas schief und der Bruder, der hier den Vater unterstützen sollte kam etwas aus dem Konzept… Der Unterweiser aus dem Bethel hat den Bruder gefragt warum er aus dem Konzept gekommen ist und dieser hat geantwortet, dass er eben an seine eigene Kinder denken musste und er so die Konzentration verloren hat. Ich selbst hab dann beschlossen mir nochmal alle Unterlagen und Bibelstellen ganau anzusehen um im Falle eines Notfalls bei meinen Kindern sicher auftreten zu können. In den folgenden Wochen habe ich nochmal intensiv sowohl die Blutbroschüre und weitere WTG Unterlagen als natürlich auch die entsprechenden Bibeltexte studiert. Mit der Zeit kam ich zu einer „eigenen Überzeugung“. Ich fragte mich, warum ist das Blut heilig? – Weil es ein Symbol für das Leben ist. [ich muss etwas kürzen…] Somit ist das Blut (als Symbol ) weniger heilig wie das Leben. Es ist ja nur das Symbol…. Diese Überlegung kannst du über unterschiedlichste Bibelstellen herleiten. Nun kommt aber das Problem. Wenn du nun das Leben zu gunsten des Symbols (Blut) höher stellst, begehst du Götzendienst. Genuso wie ein Bildnis (Symbol), das angebetet wird, Götzendienst ist. Ich habe mir bildlich vorgestellt, dass ich unsere Kinder dem Baal opfere weil ich ein Symbol (Blut) mehr ehre wie das was es darstellt (das Leben). Dieser Gedanke hat sich bei mir festgefressen und ich konnte mit der Zeit mein Amt als Ältester nicht weiter ausübern. Ich habe geistig den Notfall durchgespielt und habe dabei festgelegt, dass meine Kinder NIE sterben werden, weil ich wegen einer Bluttransfussion Entscheidungen verzögere oder Ärzte blockiere. Klar man kann sich in so einem Fall entmündigen lassen, und dann die Schuld auf Arzt und Richter abwälzen, aber das wollte ich nicht. Das war der Beginn von unserem JZ-Ende. In der Zwischenzeit haben wir neue Freunde gefunden und leben deutlich zufriedener. Die Prioritäten haben sich verschoben. Anfänglich habe ich auch viel mehr nach den Schwachstellen und den Widersprüchen geucht, habe versucht andere zu überzeugen… Heute ist mir das nicht mehr so wichtig. Für mich sind JZ „eine weitere falsche Religion…“ Ich habe aber auch kein Bedürfnis nach einer neuen Religion zu suchen. Ich bin offen für unterschiedliche Gedanken dazu wie wir entstanden sind, oder wer uns erschaffen hat. Es ist für mich viel wichtiger, dass ich ein gutes Verhältnis zu meinen Kindern habe, dass die Kinder glücklich sind und wir nicht nach neuen Zwängen suchen. Ich wünsche dir, dass du mit der Zeit auch etwas mehr Abstand gewinnst. Nutze die frei gewordene Zeit auch damit mehr mit der Familie zu unternehmen. Auch die „Aufklärungsarbeit“ schluckt soviel Zeit wie früher ein Dienstamt oder Pionierdienst. Ich kann dich gut verstehen. Bei mir kommt der Eifer auch manchmal wieder hoch und meine Frau bremst mich dann wieder… Es lohnt nicht. Du kannst kaum einen Überzeugen, der noch drinnen ist. Jeder muss sich selbst erlauben kritisch zu hinterfragen und das ist bei dieser Sektenstruktur schwierig. Klar hilft deine Seite solchen die schon aufgewacht sind und kritisch werden, du hast schon sehr viel zusammengetragen und eine wertvolle Arbeit geleistet. Mit dem Eifer mit dem wir dabei waren sind wir heute dagegen… Ich wünsche dir und deiner Familie ALLES GUTE – und Zufriedenheit im Herzen. Ihr werdet neue Freunde finden und mit der Zeit etwas Ruhe… Es werden immer öfters Tage kommn, bei denen du nicht mehr an JZ denkst – und das ist OK. Viele liebe Grüße, Manfred

    Antworten

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